Der richtige Lebensstil von Kindesbeinen an war ein wichtiges Thema des diesjährigen unfallchirurgischen und orthopädischen Kongresses. Denn immer mehr zeichnet sich ab, dass die Übergewichtswelle bei Kindern und Jugendlichen den Orthopäden in Zukunft mehr Patienten bescheren wird. In den vergangenen 10 Jahren hat der Anteil der übergewichtigen Kinder um 60 % zugenommen. Der Körper wird zur Belastung für Knochen und Gelenke, wie Prof. Dr. Georg Matziolos von der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Waldkrankenhaus Eisenberg, betonte. Dies gelte umso mehr, als sich immer weniger Kinder regelmäßig bewegen.

Eine Stunde Bewegung pro Tag sollte in Kindergärten und Schulen Pflicht sein, forderten die Experten. Nur dann lasse sich den Folgen, beispielsweise in Form eines etwa dreifach erhöhten Arthroserisikos, aber auch von Unfällen in Folge der geringeren Beweglichkeit oder von Fehlbelastungen des Haltungs- und Bewegungsapparates, vorbeugen. Ein guter Trainingszustand mit koordinierten Bewegungen schont die Gelenke, insbesondere den Knorpel, so Matziolos.

Übergewicht stellt aber nicht nur eine biomechanische Herausforderung dar, sondern auch eine biochemische. Durch die Freisetzung von Zytokinen und Adiponektin, Leptin oder Resistin wird die Apoptose von Knorpelzellen angestoßen – ein weiterer Schritt in Richtung Arthrose.

Quellenangabe: Zeitschrift Orthopädie & Rheuma Dezember 2013

Patienten mit Gelenkersatz bei schweren Hüft- oder Kniegelenksarthrosen haben nicht nur bessere Chancen, wieder normal gehen zu können, auch das Risiko für kardiovaskuläre Zwischenfälle verringert sich signifikant. Das haben kanadische Orthopäden in einer Studie festgestellt, in der sie die Auswirkungen von Hüft- bzw. Knie-TEP’s auf kardiovaskuläre Ereignisse positiv untersuchten.

Ausgewertet wurden Daten von 2.200 Arthrosepatienten über 50 Jahren mit TEP-Versorgung. Das Follow-up betrug 7 Jahre. Erfasst wurde die Zahl der Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzinsuffizienzen und Konorareingriffe von Patienten mit oder ohne TEP.

Kardiovaskuläre Ereignisse ereilten 36,3 % der Studienteilnehmer. Patienten mit TEP hatten während des Follow-up ein 44 % niedrigeres Risiko, wegen einer definierten Herzgefäßerkrankung behandelt zu müssen oder gar daran zu versterben.

Als mögliche Ursache des günstigen Effektes von Hüft- oder Knieendoprothesen auf Herz- und Gefäße nennen die Autoren u. a. die bessere postoperative Mobilität der Patienten und ein verminderter Verbrauch von entzündungshemmenden Medikamenten.

Der Anteil übergewichtiger Kinder hat in den vergangenen 10 Jahren um 60 % zugenommen. Die Mehrheit dieser Heranwachsenden ist auch im Erwachsenenalter übergewichtig und leidet an schweren Folgeerkrankungen wie Arthrose.

Um den Betroffenen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen und das Gesundheitssystem zu entlasten,, fordern Orthopäden und Unfallchirurgen staatlich geförderte Präventionsprogramme in Kindergärten und Schulen. Eine Stunde aktive Bewegung pro Tag sollte dabei Pflicht sein. Nur ein Drittel aller Jungen und ein Fünftel aller Mädchen bewegt sich täglich eine Stunde. Damit kommen nur die wenigsten Kinder auf die von Orthopäden empfohlene Mindestzeit von 30 bis 60 Minuten Bewegung am Tag.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie